Der erste SKWM-Kongress war für mich ein ganz besonderes Ereignis: Endlich ein Ort, an dem sich Menschen aus Mediation, Coaching und Konfliktbearbeitung versammeln, um voneinander zu lernen, sich auszutauschen und neue Impulse mitzunehmen.
In meinen bisherigen Blogbeiträgen habe ich schon einige Vorträge vorgestellt und meine persönlichen Erkenntnisse geteilt. Dieser Beitrag reiht sich darin ein – und dieses Mal geht es um den Vortrag von Andrea Hartmann-Piraudeau: „Breaking the Spiral“.
Das Thema: die Konfliktspirale nach Friedrich Glasl (2004). Eigentlich ein Klassiker – und dennoch war es für mich wie ein frischer Blick auf Bekanntes. Andrea Hartmann-Piraudeau hat die Dynamik der Eskalation so anschaulich und greifbar dargestellt, dass ich beim Zuhören dachte: Ja, genau so fühlt es sich an, wenn man hineingezogen wird.
Besonders hängen geblieben ist bei mir das Arbeiten mit Metaphern. Wenn ein Konflikt plötzlich als Auto beschrieben wird – mit ungleichen Rädern, schwachen Motoren oder übergroßen Rückspiegeln – dann entsteht eine Sprache, die Distanz schafft und gleichzeitig Nähe erlaubt. Eine Sprache, die Türen öffnet, wo sonst Abwehr und Vorwürfe stehen würden.
Auch die Methoden, um Emotionen sichtbar zu machen haben in mir nachgewirkt. Bislang habe ich selbst noch nie mit Emotionszirkel-Karten oder -Postern gearbeitet, aber die Idee fasziniert mich: Gefühle präziser benennen, feiner differenzieren – und dadurch ein neues Verständnis füreinander schaffen. Ich denke, das könnte für meine Arbeit eine spannende Ergänzung werden.
Ich verlasse diesen Vortrag mit Dankbarkeit: für die klaren Strukturen, die kreativen Methoden und die Erinnerung daran, dass Konfliktbearbeitung immer beides ist – Handwerk und Menschlichkeit.
Methoden aus dem Vortrag
- Konflikt-Landkarte – Erinnerungen und Wahrnehmungen strukturieren.
- Sich selbst durch die Augen des Anderen betrachten – Perspektivwechsel durch Rollentausch.
- Arbeiten mit Konflikten durch Metaphern – Konflikte kreativ und bildhaft beschreiben.
- Konflikt-Bilder – rein visuelle Darstellung, ohne Worte.
- Mit Bildern und Kunst arbeiten – Emotionen mit Symbolen oder Karten ausdrücken.
- Mitfühlen – Kreisübung – Empathie aktiv wiederherstellen.
- Präzise Emotionen (Emotionszirkel) – differenzierte Sprache für Gefühle entwickeln.
- Technik des Doppelns – unausgesprochene Gefühle vorsichtig hörbar machen.
- Inneres Team (Schulz von Thun) – innere Stimmen sichtbar und ins Gespräch bringen.
- Meta-Dialog – Vogelperspektive auf den Konflikt einnehmen.
- Kontrollierter Dialog – exaktes Zuhören und präzises Wiedergeben.
Wie schon in meinen Beiträgen zu anderen Vorträgen des Kongresses deutlich wurde, zieht sich ein roter Faden durch meine Erfahrungen: Es sind die Bilder, Haltungen und Methoden, die mir dabei helfen, Konflikte nicht nur zu verstehen, sondern auch neue Wege in ihrer Bearbeitung zu entdecken.
Gerade für meine Arbeit als Wirtschaftsmediator nehme ich aus diesem Vortrag viel mit. Die vorgestellten Techniken geben mir Werkzeuge an die Hand, um mit Emotionen differenzierter umzugehen, Blockaden aufzulösen und Parteien einen neuen Zugang zueinander zu ermöglichen. Ob durch Metaphern, präzisere Sprache für Gefühle oder strukturierte Gesprächsformen – all das kann mir dabei helfen, in meiner Praxis tragfähige Lösungen zu fördern.
Der erste SKWM-Kongress war damit für mich mehr als eine Tagung: Er war der Beginn einer inspirierenden Lernreise, die mich als Mediator weiter begleitet.