Ein Schicksalsschlag im Leben eines Mitarbeiters wirft oft einen langen Schatten – auch auf den Arbeitsplatz. Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine zutiefst persönliche Erfahrung, doch ihre Auswirkungen machen vor der Bürotür nicht halt. Kollegen und Führungskräfte fühlen sich oft hilflos, unsicher und sprachlos. Die Angst, das Falsche zu sagen oder zu tun, ist groß und führt nicht selten zu einem unbeholfenen Schweigen, das für den Trauernden zusätzlichen Schmerz bedeuten kann.
Doch was passiert, wenn diese Sprachlosigkeit zu Missverständnissen, Spannungen und handfesten Konflikten führt? Hier kommt eine oft übersehene, aber entscheidende Ressource ins Spiel: der Mediator.
Der Welleneffekt der Trauer im Team
Wenn ein Mitarbeiter trauert, ist nicht nur er selbst betroffen. Die gesamte Teamdynamik kann sich verändern:
- Für den Trauernden: Konzentrationsschwierigkeiten, emotionale Schwankungen und ein verändertes Leistungsvermögen sind normal. Er oder sie benötigt vor allem Verständnis, Flexibilität und einen sicheren Raum.
- Für das Team: Kollegen sind oft unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Sollten sie den Kollegen ansprechen? In Ruhe lassen? Die zusätzliche Arbeitslast, die durch den Ausfall entstehen kann, kann zu unterschwelligem Groll führen, wenn sie nicht offen und fair gemanagt wird.
- Für die Führungskraft: Sie steckt in einem Dilemma. Einerseits möchte sie Empathie zeigen, andererseits muss sie die Teamleistung und die Unternehmensziele im Blick behalten. Dieser Spagat gelingt nicht immer und birgt hohes Konfliktpotenzial.
Mehr als nur Konfliktlösung: Der Mediator als Brückenbauer
Ein Mediator wird oft erst gerufen, wenn ein Konflikt bereits eskaliert ist. Im Kontext von Trauer am Arbeitsplatz kann seine Rolle jedoch viel früher ansetzen und präventiv wirken. Er ist nicht nur ein „Streitschlichter“, sondern ein Kommunikations- und Prozessbegleiter in einer emotionalen Ausnahmesituation.
Seine Aufgabe ist es, Brücken zu bauen, wo Sprachlosigkeit Gräben aufreißt.
Konkrete Aufgaben des Mediators bei Trauerfällen:
- Vermittlung zwischen Mitarbeiter und Führungskraft: Der Mediator schafft einen vertraulichen Rahmen, in dem der trauernde Mitarbeiter seine Bedürfnisse und Grenzen formulieren kann, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Gleichzeitig kann die Führungskraft ihre unternehmerischen Notwendigkeiten darlegen. Gemeinsam wird nach einer tragfähigen Lösung gesucht: Vielleicht eine temporäre Anpassung der Aufgaben, flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit zum Home-Office. Das Ziel ist es, Druck zu nehmen und realistische Erwartungen zu schaffen.
- Moderation im Team: Wenn die Stimmung im Team kippt, kann der Mediator eine Teamsitzung moderieren. Hier können die Sorgen und die Belastung der Kollegen zur Sprache kommen, ohne dass dem trauernden Mitarbeiter Vorwürfe gemacht werden. Der Mediator hilft dem Team, Verständnis für die Situation zu entwickeln und gemeinsam eine faire Lösung für die Arbeitsverteilung zu finden. Dies stärkt den Zusammenhalt und beugt Lagerbildung vor.
- Entwicklung einer Kultur des Mitgefühls: Mediatoren können Unternehmen dabei unterstützen, proaktiv eine Kultur zu schaffen, die mit Trauerfällen professionell und menschlich umgeht. Das kann die Entwicklung von Leitfäden für Führungskräfte umfassen oder die Durchführung von Sensibilisierungs-Workshops. So wird das Thema enttabuisiert und das gesamte Unternehmen für den Ernstfall gestärkt.
- Begleitung bei der Wiedereingliederung: Die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer längeren Auszeit ist ein kritischer Moment. Der Mediator kann diesen Übergang begleiten, Gespräche moderieren und sicherstellen, dass der Mitarbeiter nicht in ein „kommunikatives Vakuum“ zurückkehrt, sondern aktiv und unterstützend wieder ins Team integriert wird.
Fazit: Eine Investition in die Menschlichkeit und den Erfolg
Die Einbindung eines Mediators im Trauerfall ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausdruck von hoher Professionalität und Fürsorge. Es schützt nicht nur das Wohlbefinden des betroffenen Mitarbeiters, sondern sichert auch die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt des Teams.
Unternehmen, die lernen, mit den unvermeidlichen Krisen des Lebens konstruktiv umzugehen, schaffen eine widerstandsfähige und loyale Belegschaft. Sie senden eine klare Botschaft: Bei uns bist du nicht nur eine Arbeitskraft, sondern ein Mensch. Und das ist in der heutigen Arbeitswelt vielleicht der größte Wettbewerbsvorteil von allen.
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